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Werden die Flaschen fallen? Spannung beim Jeu de Jonas |
Bonjour à tous, hier ist der Bericht über meine
fünfte Woche in Burkina Faso. Die vergangenen Tage waren picke packe voll mit
tollen Erlebnissen, so dass es mir gar nicht so leicht fällt, mich an alles zu
erinnern. Aber ich versuch’s einfach mal!
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Ein großes Maisfeld auf dem Weg nach Ouaga |
Montag,
21. November: Der Montagmorgen begann wie immer mit
einer Besprechung im Sekretariat von OCADES Caritas Tenkodogo. Besprochen wurde
dabei auch der Wochenplan. Wie sich herausstellen sollte, war das auch bitter
nötig bei all den anstehenden Terminen. Um 13 Uhr ging es dann für Monsieur l’Abbé,
also den Chef, Bayala und mich los in die Hauptstadt Ouagadougou. Die Fahrt
dauerte gut 3 Stunden, die Strecke beträgt 190 Kilometer. Als wir nach Ouaga
reinfuhren, kamen wir genau in den Feierabendverkehr. Dieses Bild werde ich
wohl so schnell nicht vergessen. Überall Mopeds soweit das Auge reicht. Nicht
umsonst wird Ouaga „la capitale des motos“, also die Hauptstadt der Mopeds,
genannt. In Ouaga fanden von Dienstag bis Freitag im Centre DHI (das
Konferenzgebäude von OCADES Caritas Burkina) ein Treffen mit allen
internationalen Partnern von OCADES sowie der Nationalrat von OCADES statt.
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Die Ausstellung der Diözesen von OCADES |
Zeitgleich gab es eine Ausstellung, bei der alle Diözesen Erzeugnisse ihrer Arbeit präsentierten. Für letzteres waren Bayala und ich zuständig. Wir sollten unsere Beurre de karité (Sheabutter) und Seife verkaufen und außerdem eine Aufstellwand mit Fotos unserer Projekte in Tenkodogo bestücken. Da Bayala einige Fotos im Büro vergessen hatte, sind wir nach der Ankunft nochmal losgefahren und haben weitere Fotos ausdrucken lassen, u.a. auch welche, die wir auf meinem Handy gefunden haben. Das ständige Knipsen ist also doch nicht ganz sinnlos! Nach dem wirklich sehr guten Essen (ich habe sogar Salat gegessen, obwohl man damit sehr vorsichtig sein soll!) ging es dann müde, aber zufrieden in unsere Unterkunft. Die Zimmer waren sehr gut, das Bad z.B. war riesig!
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Unser Stand und ich |
Dienstag,
22. November: Am Dienstag begann die Konferenz dann
offiziell. Nach einem guten Frühstück – endlich gab es für mich mal wieder
Butter – wurde auch die Ausstellung aufgebaut und wir begannen zu verkaufen.
Das ging den ganzen Tag, zum Glück hatten wir einen Schattenplatz. Ich trank so
viel kaltes Wasser aus Trinkbeuteln, dass ich danach richtig starke
Halsschmerzen hatte. Ist aber mittlerweile wieder gut! Wir haben aber sehr gut
verkauft und außerdem war das Essen auch heute wieder hervorragend!
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Mein Ausweis. Wichtig und so! |
Da es um 18
Uhr einen Gottesdienst geben sollte, beendeten wir gegen 17 Uhr unsere Arbeit
und hatten dann noch Zeit, uns mit M. Sanaa, einem Aussteller aus Koupela, in
ein Café zu setzen und ein Bier zu trinken. Das war so erholsam, dass wir uns
nach dem zweiten Bier entscheiden mussten, ob wir lieber in die Messe gehen
oder noch ein Drittes trinken wollen. Ihr könnt mal raten, für welche Möglichkeit
wir uns entschieden haben… Nur so viel: Bayala, der unbedingt in den
Gottesdienst wollte, hat seine Prinzipien ziemlich schnell aufgegeben. ;-)
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Ein Teil der unteren Etage des Marktes in Ouaga! |
Mittwoch,
23. November: Am dritten Tag in Ouaga haben wir
vormittags noch die Reste unserer Produkte verkauft. Dann kam aus Tenkodogo der
Fahrer Sinare mit zwei älteren Herrschaften an, die auch an der Konferenz
teilnehmen würden. Nachmittags beendeten wir dann unsere Ausstellung und fuhren
(Sinare, Bayala und ich) auf den Markt von Ouaga. Ihr könnt euch nicht
vorstellen, wie groß, bunt und einzigartig dieser Markt ist. Er hat mehrere
Etagen (das ist für burkinische Verhältnisse schon mal eine Errungenschaft) und
ein Stand reiht sich an den nächsten über gefühlt viele viele Quadratkilometer.
Nach einiger Zeit habe ich endlich ein Burkina-Faso-Trikot gefunden und
gekauft. Für mich als Weißen ist das Einkaufen dort aber kein Vergnügen
gewesen. Man wird von allen Seiten belagert und soll am besten den ganzen Bums
kaufen. Ich war froh, dass ich mit meinen beiden Kollegen unterwegs war…
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Die 4 Musketiere: Sinare, Jonas, Abbé Denis und Bayala |
Nach
einem kleinen Ausflug in ein Café (ja, diese Woche war sehr alkohollastig) ging
es zurück ins Centre DHI. Bayala schaffte es endlich in den Gottesdienst. ;)
Das Abendessen wurde verbunden mit einer Feier, bei der Preise für tolle
Projekte vergeben und allen internationalen Partnern Danke gesagt wurde. Dazu sind
Tänzer_innen aufgetreten, die Tänze aus allen burkinischen Ethnien verbanden.
Das war für mich als begnadeten Tänzer (nicht) sehr eindrucksvoll.
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Keine Merkelraute! |
Donnerstag,
24. November: Nach all den Erfahrungen der vergangen
Tage ging es heute mit Bayala, Sinare und zwei anderen Mitstreiter_innen,
darunter einer soeur religeuse, also einer Ordensschwester, die am Vortag auch
einen Preis gewonnen hatte, zurück nach Tenkodogo. Ich war froh, als wir die
Stadtgrenzen von Tenko erreicht hatten, denn hier gibt es deutlich weniger
Staub, Abgase und Moskitos als in Ouaga. Nachmittags wurde mir frei gegeben!
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La capitale des motos |
Abschließend muss ich zum Ausflug nach Ouaga sagen, dass ich wirklich dankbar
bin, das erleben zu dürfen. Ich weiß, dass es ziemlich teuer war mich
mitzunehmen (Unterbringung, Verpflegung usw.). Aber es hat meinen Horizont
nochmal deutlich erweitert.
Abends habe ich mich dann noch mit Eric, einem der
Fahrer aus der ersten Woche, getroffen. Er hatte jemanden nach Tenkodogo
gefahren und war deshalb in der Stadt. Wir waren etwas essen und (natürlich!)
ein Bier trinken. Später kam dann noch Paul dazu. Ich habe mich sehr gefreut,
die beiden wieder zu sehen.
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Normal beladene LKW auf der Straße nach Tenkodogo |
Freitag,
25. November: Am Freitagmorgen ging die Vorbereitung
der Kermesse in Garango, die am Samstag und Sonntag stattfinden würde, in die
entscheidende Phase. Morgens wurde mir die Bibelstelle (Röm 13,11-14a)
mitgeteilt, die ich bei der Messe am Samstag lesen sollte. Dann war ich mit
Sinare und Sina in der Produktion der Beurre de karité, die wir auf der
Kermesse verkaufen wollen. Wir haben beim Abfüllen geholfen. Anschließend
gingen wir kurzentschlossen zum Friseur um die Ecke. Für 500 F (= 76 Cent) habe
ich mir noch nie die Haare schneiden lassen. Ich hatte davor ein bisschen
Angst, aber bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden.
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Beim Friseur! |
Nachmittags fuhren wir dann mit allen Kollegen nach
Garango. Vor Ort gab es zunächst ein Treffen mit allen Helfern der Kermesse,
dann wurden die Spiele und alles weitere vorbereitet. Ich war im Vorfeld
gebeten worden, ein deutsches Spiel einzubringen. Als für mich äußerst
deutsches Spiel – denkt man dabei doch an alte weiße Männer, die in Kellern von
alten Kneipen Bier trinken und kegeln – wählte ich Kegeln und bereitete leere
Wasserflaschen als Kegel vor. Nachdem einiges, aber bei weitem nicht alles
(Motto: „Das wird schon alles“), vorbereitet worden war, fuhren wir zurück nach
Tenkodogo. Zusammen ging ich mit Paul noch zum Schneider, um meine beiden neuen Hosen und mein neues Hemd abzuholen. So langsam bin ich ein echter Afrikaner!
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Jonas in neuer Robe & Rolle als Spielleiter |
Samstag,
26. November: Am Samstagmorgen ging es um 7 Uhr los.
Gemeinsam mit Sina und Sinare holte ich Eis, um die Getränke zu kühlen, da in
der Nacht der Strom ausgefallen war und auch keine Anstalten machte, demnächst
wieder zu funktionieren. Dann ging es nach Garango und ich begann mit einem
Kollegen mein Spiel, das fortan durch die Lautsprecher nur noch als „Jeu de
Jonas“ (Spiel von Jonas) angepriesen wurde, weil sich keiner das Wort quilles
(Kegel) merken konnte oder wollte. (Im Übrigen wurde ich von allen auch nur
noch Monsieur Jonas genannt, das CH am Ende meines Nachnamens ist für die Leute
hier nicht machbar…) Die Regeln des Spiels schnell erklärt: Die Spieler_innen
bezahlen 100 Francs und haben dann 3 Versuche, um alle Kegeln umzuwerfen.
Gelingt es, dürfen sie sich einen Preis aussuchen. Zu meiner Freude wurde das
Spiel zu DEM Renner der Kermesse. Die Jugendlichen kamen, zahlten und spielten. Ich denke, das Spiel war so erfolgreich, weil es noch keiner kannte, weil man
nicht immer gewann und die Leute es dann nochmal versuchen oder besser machen
wollten als die Anderen. Auffällig war, wie sehr sich die Menschen über die
Preise, hauptsächlich Klamotten aus Kleidersammlungen in Europa, freuten. Etwas
mehr Dankbarkeit würde uns in Deutschland auch gut tun.
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Spaß auf der Kermesse |
Ab 16 Uhr bereiteten Sina, Bayala und ich uns dann
auf den Gottesdienst vor, zu dem wir ja auch unseren Teil beitragen sollten. Währenddessen
verfolgte ich so gut es ging das Spiel der Eintracht gegen Dortmund. Das
Ergebnis und die Tabellensituation zauberten mir naturgemäß ein breites Grinsen
ins Gesicht. (Übrigens haben wir kein Spiel mehr verloren, seit ich weg bin.
Gibt es da etwa einen Zusammenhang?!) Um 18 Uhr begann dann die Messe. Ich
bekam meine Lesung gut hin, machte keine Fehler beim Lesen und am Ende der
Messe bedankte sich Abbé Denis namentlich bei mir und erklärte den vielen,
vielen Gottesdienst-Teilnehmer_innen (bestimmt 300), dass ich ein Deutscher
sei, auch wenn ich wie ein Franzose spreche. Aber nicht nur das trug zu meiner
wunderbaren Stimmung bei, sondern auch die Freude und das Glück, die die
Menschen in der Kirche ausstrahlten. Es wurde laut gesungen, fast wie auf einem
Rockkonzert. Es wurde gejubelt. Es war einfach so, wie es heute in einer Kirche
sein sollte. Ein Treffpunkt für alle Menschen. Und nicht so langweilig wie die
Gottesdienste in Deutschland. Kein Wunder, dass bei uns keiner in die Kirche
geht! Nach der Messe gab es unter einem wundervollen Sternenhimmel noch etwas zu
essen, dann ging es zurück nach Tenkodogo und ich schlief hundemüde ein.
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Abbé Denis und ich nach der Messe |
Sonntag,
27. November: Der zweite Tag der Kermesse begann mit
einer Runde mit allen Spielleitern, um den ersten Tag zu evaluieren und die
Spiele evtl. zu optimieren. Unser Spiel hatte am ersten Tag das meiste Geld
eingebracht. Danach ging es weiter mit den Spielen. Die Leute strömten wieder
auf das Gelände der Kermesse. Ich schätze, es waren über den Tag verteilt ca.
1000 Leute. Unser Spiel lief wieder klasse, an beiden Tagen nahmen wir
insgesamt 15800 Francs, also 23,90 Euro ein. Das klingt im ersten Moment nicht
viel, bedeutet aber, dass 158 Runden gespielt wurden!
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Es gab auch Hund zu essen... |
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Spaß am Spiel |
Um 16 Uhr wurden die
Spiele beendet und ich konnte mich endlich an einen Tisch setzen und mich bei
einem Bier etwas erholen. Bis 20 Uhr wurde weitergetrunken, nachdem es dunkel
geworden war auch noch in einer Disco in Garango. Dann ging es endlich nach
Tenkodogo und die erfolgreiche Kermesse war Geschichte.
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Ganz typisch afrikanisch |
Da der Bericht eh schon so lang geworden ist und eigentlich
auch schon alles gesagt ist, lasse ich die übergeordneten Themen diese Woche
mal weg. Ich bin wirklich froh, dass diese Woche geschafft ist. Ich habe viel
Neues gesehen und dafür bin ich dankbar. So eine volle Woche schlaucht aber
auch ungemein und ich bin froh, dass endlich auch mal meine Kolleg_innen zum
Ausdruck bringen, dass sie müde sind. Ich hoffe jetzt auf eine etwas
entspanntere Woche und wünsche euch eine gute Zeit! Danke fürs Lesen!
A la prochaine,
Jonas