Letzte
Woche fand das erste Seminar im Rahmen meines FSJs im politischen Leben statt.
Es war eine Erfahrung, die ich nicht mehr vergessen werde. In der
FSJ-Facebookgruppe beschrieb ich sie wie folgt:
Liebe
Mitstreiterinnen und Mitstreiter,
nie zuvor war ich Teil einer so produktiven und
arbeitswilligen Jugendgruppe. Danke für das erste Seminar! […] Danke an euch
alle!
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| Während meiner Rede im Bundesrat |
Ich
werde nun über meine Erlebnisse berichten und das ein oder andere kommentieren.
Montag
Gestartet
wurde der Motor von Xenias Auto gegen 13 Uhr in Wiesbaden, direkt vor unserer
Einsatzstelle, dem wunderschönen Stadtschloss, in dem der Hessische Landtag
residiert.
Wir
fuhren hauptsächlich über die A3 in Richtung Köln - wobei festzuhalten ist,
dass diese im Hessenland schon besser in Schuss ist als in Nordrhein-Westfalen
- bis wir in Königswinter ankamen.
Ohne
Probleme fanden wir einen Parkplatz und dann betraten wir gespannt das Tagungsgelände!
Im riesigen Innenhof fanden wir schon den größten Teil der Gruppe vor.
Schwatzend, lachend und aufgeregt knabberten rund 20 Jugendliche an
Schweinsohren und anderen Leckereien, auch Kaffee gab es reichlich!
Wir
setzten uns also, durften gefühlte hundertmal unsere Unterschrift unter
irgendwelche hochformellen und staatstragenden Dokumente setzen und dann wurde
ich in ein Viererzimmer gepackt, weil Cem, Nico und Mo noch einen Platz zur
Verfügung hatten. Dieses Verfahren fand ich super, denn so wurde man de facto
gezwungen, andere Leute kennenzulernen! Auch, dass ich mit meinem Genossen Bekir
direkt ins Gespräch kam, freute mich und ich fühlte mich sofort integriert.
Nachdem
also die meisten da waren, gingen alle zusammen in den Seminarraum. Alle, die schwarzseherisch
mit den üblichen Kennenlernspielen gerechnet hatten (und das waren nicht wenige),
wurden enttäuscht. Die Teamer, Dominik und Alina, wählten einen Ansatz, den ich
mir für die Zukunft auf jeden Fall merken werde: Man hatte ein in vier Quadrate
unterteiltes Blatt und nun galt es mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern
je ein Quadrat durch bestimmte Fragestellungen zu füllen. Ich durfte
beispielsweise Franzi malen (ging mächtig in die Hose) und sie mich (war m.E.
die beste Zeichnung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer).
Nach
dieser Einheit wurden die Kochgruppen eingeteilt. Dazu mussten sich die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer irgendwo zwischen den Punkten "geübte
Köche" und "Ich esse das, was Mama mir auf den Tisch stellt"
aufstellen. Ich stellte mich irgendwo in der Mitte auf. Daraufhin fairteilte
Dominik die Gruppen.
Ich
wurde in die zweite Kochgruppe – eine reine Männergruppe (Malte S., Jan, Cem,
Bekir und ich) - gelost. Unsere Aufgabe war montags für unser Kochen am
Dienstag einzukaufen. Da wir laut Rezept chinesisch kochen sollten, nannten wir
uns höchst erfinderisch "Wokaholics"! Daraufhin gestalteten wir ein
Plakat und jedem Betrachter des Plakats lief das Wasser schon jetzt im
Mund zusammen.
Nach
Fertigstellung des Plakats machten wir uns auf den Weg zu fünf (!)
verschiedenen Supermärkten, wobei zu sagen ist, dass wir nach zwei Supermärkten
alle Zutaten bis auf Tofu eingekauft hatten und nicht vermuteten, dass es Tofu
nur bei Penny (dem 5. und letzten Supermarkt) gibt; dem war aber so.
Fertig
eingekauft fuhren wir mit dem Mietwagen zurück, setzten uns an den Essenstisch,
bekamen das Essen der ersten Kochgruppe aufgetischt und aßen mit hungrigen Mägen.
Abends
standen dann noch die Wahl der Redner im Bundesrat und das Bauen (nicht
Basteln) eines Notizbuches (Größe Din A5) auf dem Programm. Es wurden für
unseren Besuch im ehemaligen Bundesrat zu Bonn vier Redner gesucht (und nach
langer Zeit auch gefunden). Ich war erst nicht so glücklich, dass ich reden
„durfte“, doch dieses Gefühl drehte, als ich dann am Donnerstag am Rednerpult
stand. Das Notizbuch wurde mit zwei Holzplatten als Buchrücken und -kopf
hergestellt. Allerdings erwies sich die Arbeit mit einem Akkuschrauber (dessen
Akku schnell leer war) und einem Handbohrer für 22 Personen als äußert
langwierig und anstrengend! Wir saßen noch bis kurz vor zwölf im Arbeitsraum
und schwitzen, schimpften und fluchten!
Schließlich
und endlich ließ sich das Ergebnis aber sehen!
Nach
dieser gefühlt tagelangen Einheit saßen wir noch im viereckigen Bankensystem
des Innenhofes zusammen und "zischten" das ein (oder andere) Bier,
ähh Kölsch. Dabei politisierte man über die unterschiedlichsten Themen.
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| Nach dem Auftaktkonvent des FSJ-Ps |
Dienstag
Der Dienstag wurde eröffnet mit einem Frühstück in großer Runde
(mit viel Kaffee). Um zehn Uhr ging es dann auch im Tagungsraum los (okay, es
war 10.03 Uhr…) und zwar mit der Vorstellung unserer Arbeit bzw. unserer
Einsatzstellen. Ayleen, Felix und ich unterhielten uns also über unsere Arbeit
und stellten später unsere Einsatzstellen gegenseitig der großen Gruppe vor.
Auch hier wieder ein Lob bzgl. des Verfahrens an das Leiter-Team! Vormittags
sprachen wir dann noch darüber, was uns die Seminare ermöglichen, auch das war
ein wichtiger Tagesordnungspunkt!
Nach dem Mittagessen (das dem Frühstück bis in Detail ähnelte) und
der Mittagspause begrüßten wir nicht nur Anna, die einen Tag später als die
anderen anreiste, weil sie für die Welthungerhilfe in Laos (!) auf einer
Konferenz war, sondern auch Christian, der mit uns ein Planspiel („Gesellschaft
anders leben – ein Workshop“) durchführte. Wir mussten – in zwei Gruppen
unterteilt - einen Gesellschaftsvertrag erarbeiten. Auch diese Aktion machte
großen Spaß! Es gab angeregte, positive Diskussionen und in der anderen Gruppe
wurde viel „gestaffelt“, unser Gesellschaftsvertrag war dem der anderen Gruppe
selbstredend überlegen! ;)
Leider verabschiedete sich aber auch Bekir vorerst von der Gruppe,
weil er aus privaten Gründen in die Türkei reisen musste. Felix quittierte
seine Abreise mit den nun schon legendär gewordenen Worten: „Tschüss, Ricardo!“
(Felix hatte – kurz bevor er Bekir verabschieden wollte - gesehen, wie Ricardo
seinen Namen auf ein Namensschild geschrieben hatte und die beiden dadurch
verwechselt.)
Dann machte sich meine Kochgruppe an die Arbeit. Dabei überließ
ich das Kochen eher den anderen, ich fixierte mich aufs Schnibbeln und Umrühren!
Unsere Kochgruppe wurde glücklicherweise von unserer neuen Weggefährtin Anna
verstärkt, ein leichter femininer Touch hat noch keinem Essen geschadet!
Außerdem wären wir nur noch zu viert gewesen, weil ja Bekir leider früher
abreisen musste. Wir gingen mit der Verantwortung, die wir für die ganze Gruppe
innehatten, verantwortungsbewusst um und es machte großen Spaß zu kochen, auch
weil wir ins Gespräch kamen und man so die anderen Kochgruppenmitglieder besser
kennenlernte!
Es bleibt zu erwähnen, dass das Essen, das wir auftischten,
dermaßen lecker duftete, dass Christian extra den Weg von Bonn nach
Königswinter auf sich nahm, um auch einen Happen abzubekommen! Auch das Dessert
(gebratene Bananen) waren der absolute Wahnsinn, solange die Augen der Esser
nicht mitaßen!
Das
Abendprogramm konnte jeder gestalten, wie er wollte (z.B. mit dem TV-Duell
zwischen Obama und Mist Romney). Meine Kochgruppe aber musste spülen (wobei
selbst dabei viel gelacht und gescherzt wurde).
Nach
Beendigung des Spülens saßen wir noch im viereckigen Bankensystem des
Innenhofes zusammen und "zischten" das ein (oder andere) Bier, ähh
Kölsch. Dabei politisierte man über die unterschiedlichsten Themen.
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| Die ganze Gruppe nach dem Auftkaktkonvent |
Mittwoch
Der Mittwoch begann mit zwei Unwörtern zugleich: früh und
aufstehen. Wir als Kochgruppe des Vorabends waren am nächsten Morgen für das
Frühstück verantwortlich; also standen wir (fast vollzählig) mitten in der
Nacht (8 Uhr) in der Küche und werkelten. Unser Frühstück schmeckte köstlich!
Vormittags stand dann eine Zeitreise durch die Geschichte der ijgd
(Internationale Jugendgemeinschaftsdienste) auf dem Programm. Wir schauten
einen Film, der die Highlights der Weltgeschichte seit 1949 (dem Gründungsjahr
der ijgd) mit den Highlights der Geschichte der ijgd verband. Witzig hierbei
war, dass jedem Jahrzehnt ein eigener Song gewidmet wurde. Die ersten fünf
Sekunden eines jeden Jahrzehnts gehörten aber immer Yesterday von den Beatles! Dies führte zu einigen Lachern und
Irritationen – auch bei mir.
Der Vormittag wurde mit einem Quiz fortgesetzt, mit dem Dominik
und Alina das Ziel verfolgten uns unsere Rechte und Pflichten im FSJ-P zu
erklären. Dieses Ziel wurde erreicht und das Quiz machte großen Spaß – ebenso
wie die parallele Diskussion über die Vergütung, die man als FSJler bekommt.
Nachmittags planten wir dann das nächste Seminar in Leverkusen im
Januar selbst. Ganz hoch im Kurs waren Planspiele! Einige vergaßen bei der
Planung die Realität, andere waren zu pragmatisch. Es bildete sich deshalb eine
Vierergruppe, die bei der genauen Ausarbeitung des Seminars den beiden Teamern
behilflich sein wird.
Als die Kochgruppe fertig gekocht hatte, gab es leckere Wraps, die
man sich selbst befüllen konnte, wie man wollte. Ich glaube, meiner war ein
bisschen zu voll, denn alles fiel unten raus. Vielleicht müsste ich mal in
einer Dönerbude arbeiten und hunderte von Lahmacuns verkaufen.
Am Abend konnte man wieder tun und lassen, was man wollte. Einige
trugen den Tischkicker ins Foyer und zockten ununterbrochen, andere – unter
anderem ich – guckten das Champions League-Spiel zwischen dem BVB und Real
Madrid (ein unfassbares 2:1). Dabei zupfte Ayleen mir noch die Augenbrauen; sie
tat das dermaßen gut, dass ich sie darum bat, die Pinzette auf das nächste
Seminar wieder mitzubringen.
Nach
Beendigung des Spiels und des Spielberichts „der Blauen“ (unfassbarer Sieg bei
Arsenal London) saßen wir noch im viereckigen Bankensystem des Innenhofes
zusammen und "zischten" das ein (oder andere) Bier, ähh Kölsch. Dabei
politisierte man über die unterschiedlichsten Themen.
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| Dass wir nur 5 Minuten zur Vorbereitung der Rede hatten, nahmen wir mit Humor! |
Donnerstag
Der
Donnerstag begann wie der Mittwoch mit den zwei Unwörtern „früh“ und
„aufstehen“, denn wir mussten uns früh auf den Weg nach Bonn zur
Auftaktveranstaltung unserer FSJ-Ps machen! Mit Lunchpaket und zu wenig Schlaf
im Rucksack ging’s mit der Bahn nach Bonn.
Bei
der Auftaktveranstaltung hielten diverse Politpromis Reden und ich freute mich
sehr, dass Gerd-Uwe Mende, Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion Hessen,
auch gekommen war.
Nach
der Auftaktveranstaltung führten uns ehemalige FSJ-Pler durch Bonn. Sie
untermalten den Rundgang mit verschiedenen Spielen, beispielsweise
veranstalteten sie ein Quiz, bei dem Begriffe wie „Konnexitätsprinzip“
möglichst originell erklärt werden mussten. Die Gewinnergruppe durfte am Abend
mit den Ehemaligen ein Kölsch trinken gehen.
Nach
herausragendem Rundgang traten wir in das altehrwürdige Bundesratsgebäude ein.
Hier sollte es geschehen, hier sollte ich an dem Rednerpult, an dem bereits
Willy Brandt und andere historische Persönlichkeiten gesprochen hatten, zum
Thema „Kommunales Wahlrecht für Ausländer“ aus Sicht der Bayerischen
Landesregierung reden. Ein mulmiges Gefühl hatten wir alle dabei. Mit der Zeit
legte sich das Gefühl aber. Als es dann aber plötzlich hieß „So, dann haben Sie
jetzt fünf Minuten Zeit, Ihre Rede vorzubereiten“, kam das Gefühl wieder an die
Oberfläche. Als ich dann aber am Pult stand, einen Blick in den Bundesrat warf,
einen kurzen Blick auf meinen Zettel warf und anfing, gegen etwas zu
argumentieren, für das ich im realen Leben stehe, fiel alle Last, die sich in
den vergangen Tagen angestaut hatte, von mir ab und ich genoss das Gefühl, von
allen gehört zu werden.
Nach
meiner Rede kamen ein paar Leute zu mir und gratulierten mir, ich hätte es gut
gemacht. Eine extrem nette Geste.
Nach
dem Bundestagbesuch gingen alle eine Kleinigkeit essen. Später suchte man sich
ein schickes Lokal, das einige mit den Worten „Sollen wir uns noch einen Anzug
anziehen?“ betraten, und losgelöst vom Rednerstress trank man genießerisch ein
Kölsch.
Der
Abend wurde mit Besuchen in weiteren Bars länger und länger. Untermalt wurde er
vom besten Straßenmusikanten, dem ich in meinem Leben lauschen durfte. Auf der
Rückfahrt zum Tagungsgelände wurden wir Teil eines Junggesellenabschiedes (und
alle grölten mit)! Zuhause angekommen, saßen wir noch im viereckigen
Bankensystem des Innenhofes zusammen und "zischten" das ein (oder
andere) Bier, ähh Kölsch. Dabei politisierte man nicht über die
unterschiedlichsten Themen.
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| Und nochmal eine Nahaufnahme von mir |
Freitag
Der
letzte Tag. Hundemüde geht man zum Frühstück. Zerstört füllt man den
Seminarbewertungsbogen aus und nimmt sich vor, nie wieder zu rauchen. Hundemüde
umarmt man die Abfahrenden, trauert nostalgisch um die letzte Woche und setzt
sich zu Xenia in den Wagen.
Auf
der Rückfahrt hält man bei Burger King, kriegt nichts runter, bekommt mit, wie
Xenia auf dem Rasthof von einer Putzfrau verfolgt wird und setzt sich wieder
ins Auto.
Später
auf der Rückfahrt überhitzt der Motor des Autos, man fährt drei-, viermal auf
den Standstreifen der A3. Dann schaltet man das Gebläse so warm wie möglich ein
und kommt wohlbehalten zuhause in Hessen an.
Man
verabschiedet sich von seiner Weggefährtin (ich muss mal wieder Herr der Ringe
lesen) und fällt aufs Sofa. Man schläft sofort ein.
Fazit
Ich bin froh, Teil dieser Gruppe sein zu dürfen. Bis vor kurzem
war die Abifahrt nach Lloret das Highlight des Jahres, doch nun ist es das
erste Seminar nach Königswinter. Ich bin ohne große Erwartungen angereist,
wollte, dass die Woche möglichst schnell rumgeht, doch jetzt würde ich gerne
die ganze Zeit mit dieser Gruppe verbringen. Natürlich, ich freue mich auch
wieder auf meine Arbeit im Landtag, aber ein solches Gefühl, wie es mir diese
Gruppe gab, empfand ich noch nie.
22 junge Leute, die alle politisch interessiert sind. 22 junge
Leute, mit denen man auf positive Art und Weise diskutieren kann. 22 junge
Leute, die Lust auf Mitarbeit an Seminaren haben. 22 junge Leute, die alle auf
einer Wellenlänge sind. Es gibt niemanden,
den ich in dieser Gruppe nicht mag, bzw. nicht irgendwie zu schätzen gelernt
habe. Mit allen verbinde ich etwas.
Mit einem Wort: Überragend!