Montag, 14. November 2016

Die dritte Woche: So gut wie angekommen

Schon wieder ist eine Woche hier in Tenkodogo passé und ich bin euch einen Bericht schuldig. Mir geht’s hier sehr gut: Die Leute sind sehr nett und zuvorkommend und ich finde mich mittlerweile schon echt gut zurecht. Wie immer fasse ich zunächst die Tage kurz zusammen und greife am Ende noch einige allgemeine Themen auf.

Eine Herde Nafos (Rinder)

Dienstag, 8.11.2016: Wie ich bereits beim letzten Mal berichtet habe, habe ich mit Seini und Martine Rucksäcke für bedürftige Kinder gepackt und an die Schulen in Garango gebracht. Geholfen hat uns dabei Marcel, ein OCADES-Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz vor Ort in Garango ist und der alle Wege in und auswendig kennt. Ich finde es unglaublich, dass man sich das alles merken kann, für mich sieht alles ziemlich gleich aus. Die Kinder haben sich über die Schulsachen und Rucksäcke sehr gefreut. Endlich können sie richtig am Unterricht teilnehmen und etwas lernen. Die Dankbarkeit in den Augen der Kinder verriet, dass man hier in Burkina als Schüler_in eine andere Einstellung hat als viele Schüler_innen in Deutschland, die sich tagtäglich morgens in die Schule schleppen. Die Kinder hier verstehen, dass Bildung die Grundlage für ein gutes Leben ist. Das Ausfahren der Rucksäcke hat sehr lange gedauert und war anstrengend. Vor dem Feierabend sind wir noch in ein Geschäft gefahren, in dem wir weitere Rucksäcke und Schulsachen kauften, um diese am Mittwoch noch verteilen zu können. Um 18 Uhr konnte ich dann endlich Feierabend machen. Abends war ich zwar total müde, habe mich aber trotzdem noch mit Louis auf ein Bier getroffen. Louis ist derjenige, der die Projekte des viel redenden Franzosen betreut, während dieser nicht vor Ort ist. Diese Begegnungen nach Feierabend machen Afrika aus. Man kann offen reden und erfährt viel.

Ein wunderschöner Baobab und unser Auto

Mittwoch, 9.11.2016: Der erste Blick aufs Handy war wie ein Schock: Donald Trump war zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden.😧 Ich konnte es nicht fassen. Das hätte ich selbst den Amis nicht zugetraut. Dennoch bin ich mit etwas Verspätung aufgestanden, es hilft ja alles nichts. Die Präsidentschaftswahl lief auch hier im Radio hoch und runter, ein Gesprächsthema für die Menschen war es aber nicht wirklich. Auch auf der Arbeit wurden nicht viele Wörter darüber verloren. Ich denke, das hat mit zwei Dingen zu tun: Erstens sind viele Leute hier damit beschäftigt, über die Runden zu kommen und haben gar nicht die Zeit, sich mit Weltpolitik zu beschäftigen. Zweitens liegt es sicher am Mediensystem, das sich sehr vom deutschen unterscheidet. Einen Fernseher besitzen nur wenige, wenn überhaupt gibt es Radios. Auch das mobile Internet ist hier noch nicht so stark verbreitet wie bei uns, das wird sich in meinen Augen aber ändern.

Vormittags haben wir also wie am Vortag die restlichen Rucksäcke ausgefahren. Mittags waren wir dann endlich fertig. Insgesamt haben wir 200 Rucksäcke auf viele, viele Schulen und Schultern verteilt. Das Mittagessen (Reis mit Erdnusssoße) war sehr lecker, ebenso das Abendessen mit Paul (Erbsen mit Schweinefleisch). So langsam stellt sich mein Magen um!

Die Stadtmitte von Tenkodogo

Donnerstag, 10. November 2016: Nach all der Fahrerei an den Vortagen war ich glücklich, endlich mal wieder einen Tag im Büro zu verbringen. Dort habe ich den von Abbé Denis ausgearbeiteten Kooperationsvertrag zwischen OCADES und dem Freundeskreis Hofheim-Tenkodogo e.V., meiner Organisation in Deutschland, ergänzt und aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. Das war gar nicht so einfach, da solch ein Vertrag selbstredend in sehr formaler Sprache verfasst ist. Aber in Kooperation mit dem Google Übersetzer und meinen Gedanken hat es in meinen Augen ganz gut geklappt und Abbé Denis fand es „wunderbar“, auch wenn er es natürlich nicht wirklich einschätzen kann, weil er nur ein paar Brocken Deutsch spricht… 😂

Blick auf die Wohnungen, wo ich untergebracht bin

Freitag, 11. November 2016: Schon wieder ging es nach Garango, diesmal mit allen Kollegen aus Tenkodogo und zur Vorbereitung einer Kerb (kermesse) anlässlich des journée nationale Caritas, der in diesem Jahr in Garango am 26. und 27. November gefeiert wird. Gemeinsam mit vielen weiteren Mitarbeitern wurde der Stand der Vorbereitungen geprüft und konkretisiert. Im Vorfeld hatte man dafür Arbeitsgruppen (commissions) gebildet, die für Dinge wie Getränke, Essen, Spiele, Gesundheit, Sicherheit, Wasser usw. zuständig waren. Zu meinem Erschrecken sind auch Hunde auf der Speisekarte… 😖 Für deutsche Verhältnisse sind die Vorbereitungen zwei Wochen vor Beginn der Kerb noch nicht weit fortgeschritten, ich bin wirklich gespannt, ob alles klappt. Da ich gebeten wurde ein typisch deutsches Spiel einzubringen, habe ich mich für Kegeln (mit Plastikflaschen) entschieden und werde dieses Spiel während der Kerb auch leiten.

La Brakina: Gutes burkinisches Bier

Samstag, 12. November 2016: Heute haben Paul und ich den Stoff, den ich in der ersten Woche gekauft habe, zum Schneider gebracht. Er hat meine Maße genommen (Übrigens: In Afrika gehöre ich nicht zu den Kleinsten!) und näht mir nun daraus ein langärmeliges Hemd, eine kurze und eine lange Hose. Ich bin gespannt auf das Ergebnis! Abends wollte ich noch das WM-Quali-Spiel zwischen Kap Verde und Burkina (Endstand 0:2👌) in einem Restaurant anschauen, aber es wurde leider nicht übertragen. Nach dem Abendessen war ich noch an der Kirche, wo ein Konzert eines Chores stattfand. Ich habe zwar nicht verstanden, was gesungen wurde, trotzdem gefällt mir afrikanische Musik sehr gut!

Konzert am Samstagabend

Sonntag, 13. November 2016: Paul hat mich zu sich nach Hause zum Mittagessen eingeladen. Zum ersten Mal habe ich Tô, ein in Afrika weitverbreitetes Gericht aus Maismehl, gegessen. Tô ist gleichzeitig das Nationalgericht in Burkina Faso und sieht ein bisschen wie eine Mischung aus Wackelpudding und Mascarpone aus. Es ist ziemlich lecker und ich denke, ich werde es an Weihnachten für meine Familie kochen. Pauls Ehefrau wird mir zeigen, wie man es zubereitet.😊

Landschaft um Garango.

Soweit meine Tagesberichte. Wie immer gehe ich jetzt noch auf einige allgemeine Aspekte ein:

Wetter/Klima: Da es immer staubiger und trockener auf den Straßen wird, braucht man mittlerweile unbedingt einen Mundschutz beim Rollerfahren. Mittlerweile habe ich von Paul dankenswerterweise einen Helm bekommen, damit ist es noch besser! Das Wetter gefällt mir insgesamt immer besser. Es ist gefühlt nicht mehr so drückend heiß und nachts wirklich angenehm!

Sprache: Mein Chef sagte mir, dass mein Französisch immer besser werde. Das sehe ich auch so und ist sehr gut!

„Der Weiße, der Weiße“: Auf der Straße rufen viele Kinder und auch ein paar Erwachsene „Cassara“ (oder so ähnlich), wenn ich vorbeikomme. Mittlerweile habe ich herausgefunden: Das heißt „der Weiße“ auf Moore.

Heimweh: Natürlich freue ich mich aus unterschiedlichen Gründen schon auf Zuhause: meine Freundin, meine Familie, unser Essen (z.B. Burger King 💓😀), Fernsehen (!) usw. Aber grade der Blick auf meine Wetter-App zeigt mir doch täglich, dass es auch nicht verkehrt ist, hier zu sein. ;-)

Mein Plan: In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich die verbleibende Zeit hier aufteilen will. Nächste Woche bin ich mit OCADES zwei Tage in Ouagadougou. Nach Rücksprache mit Paul und Abbé Denis werde ich bis Ende November bei OCADES bleiben und danach gut eineinhalb Wochen in der Schule St. Vincent de Paul bei Abbé Lucien helfen. Im Dezember werde ich außerdem einen Deutsch-Workshop in Pauls Schule anbieten und nach Goursampa und Gorgou fahren, um die Projekte meines Vereins anzuschauen und ggf. Rückfragen zu klären.

Unser Hof

So, das war's für diese Woche. Ich freue mich, dass so viele von euch meinen Blog verfolgen. Ihr seht, ich bin so gut wie angekommen in Burkina! Wie immer freue ich mich, von euch zu hören!

In diesem Sinne, à la prochaine!

Jonas

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